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04. März 2024

Wie das Sportbusiness von KI profitieren kann

Die Knappheit zeitlicher und personeller Ressourcen macht vielen Sportorganisationen zu schaffen. Umso wichtiger ist es daher, sich mit künstlicher Intelligenz zu beschäftigen und diese richtig einzusetzen. SPOBIS zeigt Chancen und Möglichkeiten auf.

Die Anwendungsfelder von künstlicher Intelligenz umfassen bereits heute alle gängigen Geschäftsbereiche. Egal ob im Marketing, im Vertrieb, in der IT oder im Kundenservice: KI bietet, richtig eingesetzt, großes Potenzial. Zur Einordnung: Das globale Marktforschungsunternehmen Markets and Markets prognostiziert, dass der KI-Markt weltweit bis 2027 ein Umsatzvolumen von 407 Milliarden US-Dollar erreichen wird. 

Künstliche Intelligenz hat für Wirtschaft und Sportbusiness aber nicht nur das Potenzial, zusätzliche Einnahmen zu generieren: sie kann auch die Effizienz der Unternehmen und Organisationen signifikant steigern. Das ist ein Ergebnis einer neuen Forbes-Advisor-Umfrage, laut der 64 Prozent der Unternehmen glauben, dass künstliche Intelligenz ihre Gesamtproduktivität steigern wird. 

KI kommt immer mehr zum Einsatz 

Die obigen Zahlen unterstreichen die Chancen der künstlichen Intelligenz eindrücklich. Trotzdem setzen bislang noch verhältnismäßig wenige Organisationen auf KI. Laut einer Bitkom-Studie kommt diese wichtige Zukunftstechnologie aktuell erst bei rund 15 Prozent (Stand: September 2023) der deutschen Unternehmen zum Einsatz, was immerhin eine Steigerung von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. 

Dass sich die Wirtschaft immer mehr mit KI auseinandersetzt und investiert, ist für Ralf Wintergerst der einzig richtige Weg. Der Bitkom-Präsident erklärte im Rahmen der aktuellen KI-Studie des Branchenverbands der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche: „Wer heute abwartet, muss sich demnächst umso mehr anstrengen, die anderen einzuholen.“ 

Scouting mithilfe von künstlicher Intelligenz 

Wintergerst empfiehlt daher: „Wer in der Vergangenheit gezögert hat, sollte den KI-Einsatz jetzt zumindest prüfen.“ Darüber hinaus könne es „sich lohnen, bei KI den Vorreitern zu folgen und von ihren Erfahrungen zu profitieren“. Diese Innovatoren gibt es auch im Sport. Der FC Bayern München und Hertha BSC haben beispielsweise in Zusammenarbeit mit ihrem Partner SAP eine KI-basierte Automatisierung für die Zusammenfassung und Auswertung von Scouting-Berichten entwickelt. 

Hinter der KI-Komponente für das Scouting verbirgt sich ein großes generatives Sprachmodell, ein sogenanntes Large Language Model (LLM), also ein Deep-Learning-Algorithmus, der Aufgaben im Bereich der natürlichen Sprachverarbeitung ausführen kann. Transferentscheidungen können mit seiner Hilfe schneller und informierter getätigt werden. 

Der FC Bayern erhofft sich durch das KI-basierte Scouting „riesige Zeitersparnis“ in den hektischen Transferfenstern. (Foto: picture alliance/dpa/Revierfoto | Revierfoto)

Der FC Bayern erhofft sich durch das KI-basierte Scouting „riesige Zeitersparnis“ in den hektischen Transferfenstern. (Foto: picture alliance/dpa/Revierfoto | Revierfoto)

„Der entscheidende Vorteil des Large Language Models ist, dass Befehle in natürlicher Sprache erteilt und je nach Bedarf in Bezug auf Sprache, Textlänge oder Zielgruppe variiert werden können“, berichtete Fadi Naoum, Leiter von Sport und Entertainment bei SAP, auf der SPOBIS Conference 2024 über das KI-basierte Scouting. Markus Pilawa, Head of Scouting beim FC Bayern München, sieht darin großes Potenzial: „Wir erwarten eine riesige Zeitersparnis für uns und gerade in der hektischen Transferperiode kann dies ein weiterer Vorteil für uns sein.“

Arminia Bielefeld setzt auf smartes Onlineshopping 

Künstliche Intelligenz kommt aber längst nicht nur im sportlichen Bereich, sondern auch in anderen Geschäftsbereichen zum Einsatz. Arminia Bielefeld arbeitet beispielsweise seit Oktober 2023 mit dem Start-up Vision AI zusammen. Ziel der Partnerschaft ist es, den individuellen Einkaufsvorgang eines jeden Bielefelder Fans mithilfe visueller und semantischer künstlicher Intelligenz zu optimieren.  

Konkret geht es Arminia Bielefeld darum, das Erlebnis der eigenen Anhänger im Online-Fanshop smarter und einfacher zu gestalten. Dafür setzt Vision AI visuelle künstliche Intelligenz ein, um zusätzliche Daten aus den Bildern zu gewinnen und diese zu einer Stammdatenbank aufzubauen.  

„Im zweiten Schritt nutzen wir eine semantische KI-Komponente“, gab Julian Meyer, Co-Founder & Chief Revenue Officer von Vision AI, auf der SPOBIS Conference 2024 einen Einblick in die Technologie seines Unternehmens. So werden neben den aus den Produktbildern extrahierten Informationen weitere wichtige Artikel-Eigenschaften wie das Material, die Marke und andere Besonderheiten gesammelt.  

Schritt I: Gewinnung zusätzlicher Daten aus Bildern​​. (Foto Vision AI)

Schritt I: Gewinnung zusätzlicher Daten aus Bildern​​. (Foto Vision AI)

Schritt II: Schlüsselwort-Erkennung mithilfe semantischer KI. (Foto: Vision AI)

Schritt II: Schlüsselwort-Erkennung mithilfe semantischer KI. (Foto: Vision AI)

Das Resultat: Den Fans von Arminia Bielefeld werden im Onlineshop des Fußball-Drittligisten deutlich bessere Suchergebnisse ausgespielt. Gibt ein Anhänger des Traditionsvereins beispielsweise die Anfrage „Alles für den Stadionbesuch“ ein, werden ihm neben Trikot, Fanschal und DSC-Fischerhut auch Tickets für das nächste Heimspiel angeboten.  

Verbesserte Suche mithilfe von künstlicher Intelligenz: gleichzeitig wird das Cross Selling angekurbelt. (Foto: Vision AI)

Verbesserte Suche mithilfe von künstlicher Intelligenz: gleichzeitig wird das Cross Selling angekurbelt. (Foto: Vision AI)

Die künstliche Intelligenz verbessert im Online-Fanladen von Arminia Bielefeld neben der Produktsuche auch das Cross Selling. Interessiert sich ein Fan zum Beispiel für ein Trainingstrikot der Arminia, werden ihm darüber hinaus die passenden Produkte angeboten, um sein Trainingsoutfit zu komplettieren. Im Vergleich zu den üblichen historischen Käufen und Interessen anderer Nutzer erhöht dieses optimierte Angebot die Wahrscheinlichkeit, dass der Querverkauf erfolgreich ist. 

KI als Content- und Social-Media-Booster 

In der Kommunikation und im Marketing kann künstliche Intelligenz ebenfalls eine enorme Hilfe sein. Laut Bitkom-Studie schreiben knapp 60 Prozent der deutschen Unternehmen generativer KI das größte Potenzial für die Unterstützung bei Aufgaben in diesen beiden Bereichen zu. Ein ähnliches Bild zeichnet die Studie Applied AI 2023. In der von CIO, CSO und „Computerwoche“ durchgeführten Analyse gaben mehr als 40 Prozent der befragten Unternehmen an, im Marketing bereits KI-Projekte umgesetzt zu haben, weitere 37 Prozent planen dies zumindest.  

Die Zahl der KI-Tools, die in der Content-Erstellung hilfreich sein können, ist groß. Alle vorzustellen, ist unmöglich. Daher wollen wir uns im ersten Schritt darauf beschränken, verschiedene Anwendungsfelder vorzustellen:  

Erfolgsfaktoren für den KI-Einstieg 

Die genannten Praxisbeispiele geben einen Einblick, was für ein riesiges Potenzial künstliche Intelligenz für das Sportbusiness bietet. Damit verbunden ist, zurückkommend auf die aktuell noch geringen Nutzungszahlen, die Frage, wie man sich dieser Technologie nähert. Lorenz Beringer hat auf der SPOBIS Conference 2024 seine Erfolgsfaktoren für einen KI-Einstieg vorgestellt: 

  1. Start Now: Unsicherheit bezüglich KI abbauen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erste Erfahrungen auf KI-Apps sammeln lassen  

  2. Enablement: Wissen ausbauen und anhand konkreter Arbeitsabläufe und Themen KI-Apps testen und verstehen  

  3. Invest in Tools and People: Auswahl der richtigen Apps und Einplanung von Ressourcen  

  4. Verantwortlichkeit und Top-Management-Support: Zentrale Personen definieren inklusive Support aus dem Führungsteam  

  5. Externer Support: Externe Unterstützung, um Geschwindigkeit aufzunehmen 

Foto: Martin Sanchez / Unsplash

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