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26. Apr. 2021

Würth-Marketingleiter Münch: „Sponsoring wird weiter Teil unserer Marken-DNA bleiben“

Im Interview mit SPONSORs spricht Dieter Münch, Leiter Marketing und Werbung von Würth, über den Strategiewechsel des Schraubenspezialisten im Sportsponsoring, die außergewöhnliche Partnerschaft mit der La Liga und den Umgang mit wegfallenden Sponsoringleistungen in Corona-Zeiten.

SPONSORs: Herr Münch, die Würth-Gruppe konnte seit 2013 nahezu jährlich ein Umsatzwachstum von mindestens fünf Prozent verzeichnen. Selbst im von der Corona-Pandemie geprägten Jahr 2020 wurde mit 14,41 Milliarden Euro ein Plus erwirtschaftet. Wie erklären Sie sich dieses kontinuierliche Wachstum?

Münch: Wir haben schon früh eine Multikanalstrategie aufgesetzt. Das bedeutet ein Miteinander von Außendienst, Niederlassung und E-Business. Vor zehn Jahren haben wir unser Niederlassungsnetz deutlich intensiviert. In Deutschland sind wir heute mit über 550 Verkaufsniederlassungen aktiv, weltweit sind es rund 2300. Zusätzlich haben wir dem Telefonvertrieb und dem Online-Handel eine gewichtige Rolle gegeben. Dies hat sich vor allem im letzten Jahr bezahlt gemacht. Wir bieten unseren Kunden genau die Beschaffungsmöglichkeiten, die sie unter Pandemiebedingungen brauchen. Deshalb haben wir bewusst Gelder aus dem Sportsponsoring ins E-Business umgeshiftet.

SPONSORs: Würth ist heute weltweit in über 80 Ländern aktiv. Welches sind die größten Wachstumsmärkte für Ihr Unternehmen?

Münch:  Wir erzielen mehr als 80 Prozent unseres Umsatzes in Europa. Auch wenn die Region Asien aktuell in absoluten Umsatzbeträgen noch eine untergeordnete Rolle spielt, sehen wir hier mittelfristig große Wachstumschancen.

SPONSORs: Welche strategische Rolle spielt Sportsponsoring in den Wachstumsplänen von Würth?

Münch: Das Sportsponsoring ist ein Baustein im Marketing-Mix von Würth. Da wir keine klassischen Werbemaßnahmen wie TV-Werbespots oder Anzeigenkampagnen fahren, ist das ein wichtiges Thema für unsere Markenbekanntheit.

SPONSORs: In welcher Größenordnung bewegt sich das Gesamtinvest von Würth im Sport?

Münch: Wir bewegen uns da im mittleren bis oberen siebenstelligen Euro-Bereich pro Jahr.

SPONSORs: Würth feiert 2021 sein 45-jähriges Jubiläum im Sportsponsoring. Zunächst waren Sie vor allem im Motorsport aktiv, 1991 folgte dann der Einstieg in den europäischen Profifußball. Heute setzt Würth stark auf das Thema Wintersport, unter anderem als Premium-Partner des Deutschen Skiverbandes (DSV). Warum erfolgte dieser Strategiewechsel?

Münch: Wir waren damals im Fußball in allen drei europäischen Wettbewerben mit unserem Logo auf den Werbebanden präsent. Unser Wunsch war es jedoch, mit unseren Sportsponsoring-Engagements noch mehr Emotionen zu erzielen. Emotionen entstehen bekanntlich durch Partnerschaften mit Menschen. 2002 ergab sich dann die Chance, als Sponsor im Bereich Skispringen beim Deutschen Skiverband einzusteigen. Nach zwei Jahren haben wir das Engagement dann um die nordischen Disziplinen erweitert. Seit 2008 sponsern wir sogar alle 18 Nationalmannschaften des DSV und damit auch Deutschlands beste Wintersport-Athleten.

SPONSORs: Bei der FIS Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Oberstdorf war Würth zuletzt nicht nur als Partner des DSV präsent, sondern auch als Hauptsponsor. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Münch: Die zusätzlichen Präsenzen beispielsweise auf Startnummern, der Startrückwand und dem Exit-Gate bei den Skisprungwettbewerben sowie auf weiteren Werbebanden sind natürlich positiv zu bewerten. Was die TV-Reichweiten angeht, hatte ich mir etwas mehr erhofft. Dort konnte leider nur annähernd das Niveau von der WM 2019 in Seefeld erreicht werden.

SPONSORs: Wie haben Sie das Sponsoring abseits der Logo-Präsenz ohne Zuschauer vor Ort aktiviert?

Münch: Das Thema Social Media hat natürlich eine große Rolle gespielt. Wir hatten ein eigenes Team, das sich gerade während der WM intensiv darum gekümmert hat. Dazu arbeiten wir in diesem Bereich eng mit dem DSV und teilweise auch direkt mit den Athletinnen und Athleten zusammen. Die Wahrnehmung in den sozialen Medien ist generell ein immer wichtiger werdender Aspekt unserer Sportsponsorings.

SPONSORs: Würth beschäftigt inzwischen weltweit über 79 000 Mitarbeiter. Das Thema Sportsponsoring wurde bis zuletzt nichtsdestotrotz weitestgehend im Alleingang von Ihnen verantwortet. Wie ist Würth heute personell im Sponsoring aufgestellt?

Münch: Ich würde sagen, dass das Sponsoring heute nur 10 bis 15 Prozent meiner Arbeitszeit ausmacht. Dazu habe ich Kolleginnen und Kollegen, die mich in den einzelnen Partnerschaften unterstützen. Ein Kollege ist im DSV mein verlängerter Arm und eine andere Kollegin bei den Fußball-Bundesliga-Treffs.

SPONSORs: Wie läuft die Entscheidung über ein neues Sponsoring-Engagement bei Würth ab?

Münch: Ich unterbreite Vorschläge an die Geschäftsleitung und Konzernführung. Wenn das Thema dort verabschiedet wird, ist ein Haken dran.

SPONSORs: Im Fußball sponsert Würth bereits seit 2003 die Schiedsrichter der spanischen La Liga Santander und der La Liga Smartbank. Weshalb haben Sie sich damals für dieses Rechtepaket entschieden?

Münch: Das war ein Angebot, das unser spanisches Unternehmen erhalten hat. Bei der Betrachtung des Budgetaufwandes war der Einstieg 2003 eine leichte Entscheidung für uns. Denn die La Liga war schon damals nach der Premier League die Liga mit der größten globalen Ausstrahlung. Deshalb haben wir uns auch erst kürzlich für eine Verlängerung der Partnerschaft um weitere drei Jahre entschieden.

SPONSORs: Über welches Invest sprechen wir hier?

Münch: Wir bewegen uns hier im mittleren sechsstelligen Euro-Bereich pro Saison.

SPONSORs: In der Bundesliga ist Würth sowohl beim 1. FSV Mainz 05 als auch beim SC Freiburg mit seinem Logo auf TV-relevanten Werbebanden präsent. Dazu nutzen Sie weitere Bundesliga-Clubs vor allem zur Kundenpflege. Wie kann man sich das konkret vorstellen?

Münch: Wir haben aktuell Partnerschaften mit acht Bundesligisten und veranstalten dort seit 1997 unsere sogenannten Würth-Bundesliga-Treffs, bei denen wir Gäste zu Spielen unserer Partnerclubs einladen.

SPONSORs: In der laufenden Saison konnten Sie die Würth-Bundesliga-Treffs aufgrund der Corona-Pandemie noch nicht stattfinden lassen. Wie sind Sie mit dem Wegfall des vereinbarten Rechtepakets umgegangen?

Münch: Wir haben uns mit all unseren Partnerclubs auf eine Rückerstattung der Rechtesumme für die ausgefallenen Spiele verständigt. So ist auch das Engagement in Oberstdorf entstanden. Da haben wir das freigewordene Budget aus der Fußball-Bundesliga in das Hauptsponsoring bei der Nordischen Ski-WM umgeshiftet.

SPONSORs: Bei Würth nimmt das E-Business eine wachsende Rolle ein. In diesem Bereich konnte Würth auch 2020 ein überproportionales Wachstum vermelden. Wird sich diese Entwicklung auch nachhaltig auf das Sponsoring auswirken?

Münch: Wir haben unser internationales Sponsoring bereits jetzt zugunsten von SEO- und SEA-Maßnahmen reduziert. Das hat auch Wirkung gezeigt, mit einem Anteil des E-Business von 20 Prozent am Gesamtumsatz. Sponsoring wird aber auch weiterhin ein Teil unserer Marken-DNA bleiben.

SPONSORs: Herr Münch, vielen Dank für das Gespräch.

Titelfoto: Würth

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